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Anhaltendes Streckdefizit nach Kreuzband-Plastiken
Arthrofibrose/Zyklops


Wenn sich ein Streckdefizit nach einer Kreuzband-Plastik, weder durch Manuelle Therapie noch durch aktive Mobilisation auflösen lässt, dann darf dies hinterfragt werden.
Manchmal handelt es sich hierbei um überschießendes Narbengewebe, das sich Wochen oder Monate nach der Operation bildet. Je nach Lokalisation, Form, Größe und Beschaffenheit wird dies als "Arthrofibrose" oder "Zyklops" bezeichnet. Erkennbar ist diese Komplikation dadurch, dass sich das Gelenk sowie die Kniescheibe direkt nach der OP endgradig bewegen ließen und sich das Streck- und auch Beugedefizit erst nach Monaten entwickelt hat. Meist ist in diesem Stadium durch Manuelle Therapie vorübergehend eine endgradige Mobilisierung möglich. Weitere klinische Zeichen sind die klassischen Entzündungsreaktionen, wie Schwellung und Überwärmung, weshalb zum Beispiel Infektionen differenzialdiagnostisch ausgeschlossen werden sollten.


Risikofaktoren für eine Arthrofibrose/einen Zyklops sind zum Beispiel mechanische Stressverhältnisse. Dabei können eventuell Stümpfe des "alten" Kreuzbands scheuern und ein Gewebeknäuel bilden. Auch Störungen des vegetativen Nervensystems, eine generelle Neigung zu ausgeprägter Narbenbildung oder eine ungenügende Mobilität des Kniegelenks vor OP-Antritt begünstigen die Entstehung dieser Komplikation.

Die Diagnostik erfolgt über eine erneute MRT-Aufnahme mit gezieltem Blick auf Narbenbildung. Als Therapie wird in vielen Fällen Kortison verabreicht oder eine weitere OP durchgeführt, bei der das überschüssige Narbengewebe entfernt wird.
Im Anschluss daran ist ein behutsames und dabei gezieltes Therapie-Vorgehen wichtig. Von aggressiven Techniken sowie starker mechanischer Belastung ist abzuraten. Gleichzeitig sollte die Beweglichkeit zügig mit physiotherapeutischen Mobilisationsgriffen wieder hergestellt werden.  Parallel dazu gilt es die Funktion der betroffenen Extremität in sinnvollen kleinen Schritten aufzubelasten.