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Beinlängen-Unterschied

"Bei mir wurde festgestellt, dass ein Bein länger ist als das andere!"
Endlich haben wir sie, die Lösung aller Probleme. Ob Kreuzschmerzen, Schmerzen am Schambein ,Kopfweh oder einfach ein schlechter Laufstil. Es muss nur die eine Seite mit einer Einlage ausgeglichen werden und schon ist wieder alles im Lot ?!

So einfach wie dies klingt, ist es aber leider nicht. Denn die erste Frage, die sich stellt ist: wie wurde gemessen?

Rückenlage und gestreckte Beine - welches Bein ist länger? Die Antwort auf diese Frage wäre in dieser Situation zu oberflächlich. Manchmal wird auch im Stehen die die Position der beiden Beckenschaufeln verglichen. Kann man daraus schliessen, dass wirklich ein Bein länger ist? Oder aber ist es eine Beckenverwringung, die in dieser Position ein Bein nur länger erscheinen lässt?
Eine Verdrehung oder Verschiebung einer Beckenhälfte kann sowohl Ursache als auch Wirkung eines Spannungsunterschiedes der Oberschenkelmuskulatur (vorne und hinten) sein. Das heißt, es kann aber es muss nicht hinter jeder Verwringung eine echte anatomische Asymmetrie stecken. Um einen möglichst ursächlichen Behandlungsplan zu entwerfen braucht man mehr Informationen.

Die genaueste und wissenschaflichste Untersuchungsmethode ist der CT-Scout, eine Röntgen-Schichtaufnahme beider Beine.Damit kann millimetergenau die Knochenlänge nachgemessen werden. Im Leistungssport ist diese Untersuchungsmethode mittlerweile ziemlich etabliert. Vor allem bei anhaltenden oder sich wiederholenden Schmerzen im unteren Rücken, im Bereich des Schambeines, der Adduktoren oder allen Symptomen, die als Leistenproblem bezeichnet werden, empfehlen wir diese Herangehensweise - selbstverständlich in Absprache mit dem behandelnden Arzt. Eine  Beckenübersicht-Röntgenaufnahme oder das Ergebnis der immer wieder auftauchenden "Beckenwaage" kann bestenfalls ein Hinweis sein. Diese Untersuchungen sind unpräzise.

Der Physiotherapeut muss mit all diesen Informationen eine Strategie entwerfen. Welche Beckenhälfte muss in welche Richtung mobilisiert werden? Welche Weichteile sollten passend zu dem Ansatz behandelt werden und welche idealerweise nicht? Im begleitenden medizinischen Training gibt es für die Beckensymmetrie und Stabilität gezielte Übungen

Es gibt aber keinen Grund zur Panik. Bei den meisten Menschen stellt eine echte Beinlängendifferenz von wenigen Millimetern kein Problem dar. Der Körper kann das ausgleichen. Schmerzen treten vorwiegend dann auf, wenn man sich auf ebenen Flächen in hohen Umfängen bewegt. Sollten Probleme auftauchen, braucht es eine präzise Diagnostik, woraufhin die entsprechenden orthopädischen Einlagen in ihrer Höhe angepasst werden müssen. Gleichzeitig ist eine gezielte aktive und passive Therapie für den Behandlungserfolg wichtig.